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Eleat ist ein schönes Land …

… hat mir jedenfalls jemand erzählt, als ich im Hafen war. Schon seit Ewigkeiten war ich wieder unterwegs gewesen. Aber nichts Aufregendes ist passiert: keine Todesritter, keine gefangenen Seelen, ja nicht mal Orks hab ich in all der Zeit getroffen. Nun ja, dann kam ich wie gesagt zum Hafen und fragte danach, was denn ein schönes Land sei, wo man hinsegeln kann. Und Eleat war die Antwort. Freilich war ich auch froh, wieder zu segeln. Es gibt nichts aufregenderes, als oben in den Seilen im Wind zu schaukeln, wenn der Donner kracht und die Blitze ins Meer einschlagen. Welche ein Schauspiel! Aber ich hatte dieses Mal kein Glück. Der Wind hat sich kaum geregt und so hat es ewig gedauert, bis wir in Eleat waren.

Haven ist eine sehr interessante Stadt, ja sogar die Hauptstadt von Eleat. Und ratet mal, was ich da gefunden habe. Ihr werdet’s nicht glauben, einen Rondus Tempel! Und sie haben mir gesagt, dass Antarion ganz in der Nähe ist. Antarion, den hatte ich schon über ein Jahr nicht mehr gesehen! Ich wollte eigentlich gleich los, aber die Rondusianer haben gesagt, ich sollte mich lieber noch eine Nacht ausruhen, weil es ja schon dunkel war.

Also bekam ich ein Zimmer. Weil der Tempel so klein ist, hab ich das von einer Ordenskriegerin bekommen. Mara hieß sie. Sie war gerade in Eleat unterwegs, deswegen stand ihr Zimmer leer. Und wisst ihr, was die gemeines gemacht hat? Eine arme Laute war mutterseelenallein im Schrank eingesperrt. Gut, sie hatte etwas Gesellschaft von ein paar Liederbüchern. Aber die Arme hätte bestimmt nie wieder das Licht der Sonne gesehen. Da hab ich sie natürlich befreit.

Am nächsten Tag bin ich dann aufgebrochen, um nach Antarion zu suchen. Unterwegs traf ich Kitiara, eine Jägerin. Sie hat mir gesagt, ich soll nicht so laut mit meinen Glöckchen klimpern, weil ich die Tiere verjage. Aber das stimmte ja gar nicht, die Vöglein haben gesungen und am Waldrand hab ich sogar einen weißen Wolf gesehen. Auch wenn mir das Kitiara nicht geglaubt hat.

Und dann haben wir Leute getroffen. Und zwar: Sire Lorn, das war tatsächlich der Sohn des Barons von Eleat – zumindest hat er das behauptet. Und er hielt mich für ein Kind, naja, so sind sie die Menschen. Und da waren da noch Nieef, Vina und Turael. Und die Vina hat doch gleich als erstes behauptet, ich hätte die Laute gestohlen. Hat behauptet, dass sie dieser Mara gehört, dieser Lautenquälerin. Und da hab ich ihr erzählt, wie ich sie befreit und von ihrem Leid erlöst habe, aber das hat sie nicht interessiert. Aber den Sire hat das schon interessiert. Er ist ganz böse geworden und hat gefragt, ob ich die Laute geklaut habe. Da bin ich auch ganz böse geworden und hab ihm gesagt, dass ich nie im Leben was klauen würde!!!

Naja, jedenfalls sind wir zusammen weitergezogen und haben dann endlich Antarion gefunden. Der Sire wollte nämlich auch zu ihm. Die beiden wollten sich gerade guten Tag sagen, aber ich war schneller. Ich bin natürlich Antarion sofort um den Hals gefallen, weil wir uns so lange nicht gesehen haben. Er war ganz schön überrascht und hat sich gefreut, mich wiederzusehen. Und der Sire fing natürlich gleich damit an, dass Antarion mich bestrafen soll, wegen der Laute. Da hab ich Antarion auch noch mal die Geschichte erzählt. Und er war der Einzige der mich verstanden hat! Er hat mir versprochen, dass er sich darum kümmert, dass Mara von nun an die Laute netter behandelt, wenn ich sie ihm dafür gebe. Außerdem hat er mir erlaubt, abends noch darauf zu spielen.

Abends haben wir dann gekocht. Ich hab zwischendurch immer lecker Möhrchen genascht. Und dann wollte ich den Rettich probieren. Und Vina hat sich halb tot gelacht, weil ich stattdessen eine Zwiebel erwischt und herzhaft hineingebissen habe. Aber so schlecht hat sie gar nicht geschmeckt. Vina ist ja sowieso etwas komisch. Als ich sie gefragt hatte, ob das die Kartoffeln sind, die wir für die Suppe brauchen, hat sie „Aye“ gesagt. Wie kommt sie denn darauf, dass Kartoffeln Eier sind? Naja, wenn sie meint. Jedenfalls guckten die anderen auch komisch, als ich gesagt habe, ich schäle jetzt die Eier.

Dann saßen wir später am Lagerfeuer und haben gegessen. Die anderen haben mich gefragt, wie sich Kender eigentlich vermehren. Hab ich ihnen auch verraten, natürlich mit Witze erzählen. Da der Sire mir aber gerade einen Witz erzählt hatte, sinnierte ich noch laut, wie unser Kind wohl aussehen würde. Da hat er ganz komisch geguckt.

Ach ja, der Sire hatte sich nicht umsonst mit Antarion und den anderen getroffen. Er wollte nämlich am nächsten Tag seine Ländereien zeigen und gleichzeitig seine neuen Rösser aus den Dreilanden ausprobieren. Ich fragte, ob ich mitkommen darf. Da musste ich versprechen, dass ich den ganzen Proviant nehme, dann dürfte ich mit.

Also sind wir am nächsten Tag losgeritten. Mein Pferdchen hieß Molly. Und die war bestimmt die schnellste. Doch diese Stallmeisterin wollte einfach nicht schnell reiten. Die hat sich bestimmt nicht getraut zu galoppieren. Also sind wir nur ab und zu getrabt und wenn ich überholen wollte haben mich alle ausgemeckert, dass ich doch in der Reihe bleiben soll. Wegen der Kavallerie und so, da reitet man ja auch in Formation.

Und mittlerweile war ich ja auch zum Regenbogengoblinkriegsversorgungskender aufgestiegen. Deswegen habe ich zwischendurch auch von Molly aus Kekse und Äpfel verteilt. Außer an Turael. Weil sein Pferd auf einmal ganz wild wurde und nach uns ausgeschlagen hat. Naja, hat er halt nichts abgekriegt. Erst dann, als wir angehalten und gepicknickt haben. Zwischendurch haben wir auch Lieder gesungen. Manche haben sich bei mir beschwert, dass ihnen das Kenderlied nicht mehr aus dem Kopf ging. Das hat mir damals die Luna geschenkt und das geht so:

Ich wand’re gern durchs ganze Land nach nah und fern Ich liebe große Städte und ich tanze auch sehr gern Es gibt so viele schöne Dinge auf der ganzen Welt Wer braucht denn schon dies dusselige, schnöde Geld.

Was glitzert und was blinkt, das find’ ich einfach toll Mit allem was ich finde, stopf’ ich mir die Taschen voll Und hat mal wer was Tolles, das man schwer nur finden kann, Dann hab’ ich viele Sachen, die man tauschen kann.

Elfen, Zwerge Riesen und auch kleine Feen Habe ich auf meinen Reisen öfter schön geseh’n Die müssen immer streiten und sich gegenseitig hau’n Weil einer von dem andren glaubt, er würde ihn beklau’n.

Ich traf einmal ‘nen Magier murmelnd vor ‘nem Glitzerstein Den tauschte ich sogleich gegen eine Wallnuß ein Der Magier scheute auf und wurde plötzlich kreidebleich Das war ein toller Zauberer, das wußte ich doch gleich.

Ich bin zwar klein, doch habe ich ein großes Herz Ich lache gern und viel und liebe jeden Scherz Doch wenn man mir was wegnimmt, ja dann werde ich gemein Dann kratze und dann beiße ich und fange an zu schrei’n.

Und zwischendurch natürlich immer der Refrain: Ich bin ein Kenderlein und liebe Alberei’n Ich mag alle schönen Dinge. Was ich finde, das ist mein. Ich bin ein Kenderlein und um mein Freund zu sein Mußt Du nur lieb und lustig sein.

Und als wir schon fast zurück waren, da hab ich endlich die Stallmeisterin davon überzeugt, dass sie keine Angst vorm Galopp zu haben braucht. Also ist sie vorne losgestürmt. Und wir hinterher. Und Molly hat endlich gezeigt, was in ihr steckt. Sie bockte los, dass es eine wahre Freude war. Als wenn sie ein weißer Wolf in den Nacken beißen würde. Naja, und während die anderen ruhig dahingeschwebt sind, versuchte mich Molly die ganze Zeit von ihrem Rücken zu bekommen. Das war vielleicht lustig, sag ich euch. Aber ich hab natürlich gewonnen und bin oben geblieben.

Schön war’s sag ich euch, der Ausritt in Eleat. Schließlich sind Antarion und ich dann zum Tempel aufgebrochen.

(Fotos)

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  Zuletzt geändert am 11 März 2008 20:56 Uhr  
   
   
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