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Das Leben der Heppi B.
Die verlorenen Täler


Ich soll wirklich weitererzählen? Heppi gerät ins Stocken. Also gut, dann erzähle ich euch jetzt die Geschichte vom heiligen Wolf – dem Beschützer der Kender. Heppi muss sich sammeln, sie scheint abzuwägen, ob sie das Erlebte wirklich weitergeben will. Die ersten Worte kommen ihr nur langsam von den Lippen: Nach dem Fest der Drachen entschied Thorrolf, dass wir zurück nach Androsa reisen. Auf dem Weg dahin bekam er einen Brief von Lea. Sie war mit Borek, einem Kargathianer, nach Klingenthal unterwegs. Heppis Stimme ist jetzt fester, sie ist vom Ausgang der Geschichte abgelenkt und so fällt es ihr leichter weiter zu sprechen. Ich wollte Lea unbedingt wieder sehen. Also verabschiedete ich mich von der Gilde und schloss mich zwei Hoipollois an, die in die gleiche Richtung reisten. Sirka, eine Menschenfrau und Grummli, ein Halbzwerg (zur anderen Hälfte war er Mensch). Die beiden waren sehr nett und wir haben viel zusammen gelacht.

In Klingenthal war nichts von Lea zu sehen. Dort wurde eine Feste eingeweiht. Ich blieb bei den anderen beiden, als die Feier begann. Doch sie wurde unterbrochen. Ein Kargathianer rannte auf einmal durch das Tor. In seinen Händen hielt er ein blutüberströmtes Mädchen. Sie war tot. Heppi wird blass und sie muss tief Luft holen, bevor sie weitersprechen kann. Der Kargathianer erzählte, dass ihr Dorf von Orks überfallen worden war. Das konnte ich mir gar nicht vorstellen, doch es war wirklich so. Es haben sich viele Freiwillige gemeldet, um die Überlebenden zu retten. Ich bin mitgegangen, denn ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass die Orks wirklich so grausam sein können.

Zuerst war die Wanderung wirklich schön, es war ruhig und friedlich. Der Wald strahlte in den schönsten Herbstfarben und es wuchsen leckere Pilze. Doch es war ein Hinterhalt. Als wir den Pass überquerten, liefen wir in eine Falle. Ich sah, wie die Protektoren für uns kämpften, damit wir heil entkommen konnten. Die anderen zerrten mich mit und schrieen ich soll rennen. Und dann waren wir nur noch zu viert. Sirka, Grummli, ich und Wolf. Heppi schnieft kurz, ihre Augen glitzern und eine Träne rollt ihr über die Wange. Sie schweigt und erst als sie gefragt wird, wie es weiter geht, spricht sie wieder. Wir sind 2 Tage und Nächte gelaufen, denn wir hatten eine Sammelstelle ausgemacht, falls etwas schief geht. Oft hörten wir das Grunzen der Orks und wir mussten sehr, sehr vorsichtig sein.

Endlich kamen wir an. Wir wurden von den Schattenstürmern empfangen. Schon sehr bald hörten wir Orkgebrüll. An einer Seite der Lichtung standen sich Orks und einige unserer Krieger gegenüber. Die Orks warfen mit Beleidigungen um sich, dass es eine wahre Freude war. Und es waren unsere Krieger, die daraufhin angriffen. Als Sirka mich fragte, ob ich immer noch meine, dass Orks nett sind, habe ich sie gefragt, wer denn grad zuerst angegriffen hat.

Es war kurz nach Mitternacht, als wieder eine Gruppe ankam. Ich ging hin, um sie mir anzuschauen. Es ist das erste Mal, dass sich Heppis Miene aufhellt und sie lächelt. Lea war dabei! Ich hatte sie endlich wieder gefunden, nach fast 3 Mondläufen. Ich nahm sie in den Arm und erst da bemerkte ich, wie sehr sie weinte. Wir setzen uns und sie erzählte mir, wie sie von den Orks gejagt worden waren und wie viele ihrer Begleiter gestorben waren. Es war sehr traurig. Natürlich wollte Lea auch ganz genau von mit wissen, wo ich gewesen war. Und was meint ihr, wie verwundert sie war, als ich ihr die Geschichte mit den Orks erzählte, die uns gerettet haben? Es gibt nette Orks und es gibt böse Orks. Ich glaube das hat etwas mit der Veränderung zu tun, die unsere Heimat Androsá bedroht.

Später am Abend lernte ich noch Rufus kennen. Er erzählte mir, dass er auch den Nasenfluch gehabt hatte und er hat mich irgendwie wieder angesteckt. Heppi tippt zur Demonstration auf ihre Nasenspitze und es entfährt ihr ein „KIKIRIKI!!!“ Sie grinst kurz, doch wird in wehmütiger Erinnerung gleich wieder ernst. Wir haben uns gerade nett unterhalten, da wurde mir auf einmal ganz dolle kalt. Und dann war ich auf einmal in einer dunklen Höhle, zusammen mit einer Orkfrau, einem Zwerg und einer Gnomin. Die Frau hielt einen großen Glitzerklumpen in den Händen, der war wunderschön und ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Doch sie sagte, es ist ihr Schatz und wir würden ihn niemals finden. Der Zwerg sagte, dass das Mithril ist und die Gnomin wollte ein Uhrwerk, was auch immer das ist, daraus bauen. Dann wurde ich auf einmal wach, denn es war nur ein Traum gewesen. Rufus hat gesagt, dass ich umgekippt bin. Doch ich war nicht die einzige, und es waren viele die von Orks geträumt hatten. Ich lernte dann auch die anderen beiden aus meinem Traum kennen (also nicht die Orkfrau), sie hießen Andrax und Anna. Wir mussten dann alles erzählen und am nächsten Tag sollte beschlossen werden, was weiter passiert.

Am nächsten Morgen sagte Rufus etwas über Runen. Als ich ihn fragte, was das ist, sagte er, damit kann er die Zukunft voraussagen. Natürlich habe ich ihn gefragt, ob er das jetzt auch macht. Und das hat er dann. Er hatte ein kleines Beutelchen mit Steinen und da waren Zeichen drauf. Dann sollte ich eine Frage stellen. Ich hab ihn gefragt, wie viele Pilze ich finde. Denn ich wollte noch welche suchen gehen. Und er zog eine Rune heraus, schaute sie ganz lange an und sagte am Wasser findest du etwas, doch du musst misstrauisch sein. Meine nächste Frage war, wer mir meinen Ring verzaubern kann. Er zog das Symbol der Sonne. Heppis Augen weiten sich, als hätte sie gerade eine unglaubliche Erkenntnis getroffen. Gedankenverloren murmelt sie „Zei…“ Sirka wollte von Rufus wissen, ob sie den Tag überlebt, doch er wollte ihr dafür keine Runen legen. Da hab ich ihn gefragt, ob ich überlebe. Heppi muss schlucken. Leise flüstert sie: Und ich habe überlebt.

Es dauert wieder eine ganze Weile, bis Heppi fortfährt. Der Vormittag war lustig. Grummli hat sich in Lea verliebt und ihr schöne Augen gemacht. Heppi lächelt, als sie an die wenigen schönen Momente zurück denkt. Er hat mir auch gezeigt, wie man kämpft und dann haben wir noch fangen gespielt und er war viel, viel langsamer als ich. Ich hab noch Scherze über Wolfs Umhang gemacht, weil doch zwei Dreiecke auf seinem Umhang waren und er gesagt hat, ein Dreieck steht für Zei. Schlagartig ist die Kenderin wieder ernst geworden.

Kurz darauf sind die Protektoren losmarschiert. Lea und ich sind einfach mitgegangen, weil Lea ist ja Heilerin. Wir waren einige Zeit gegangen, da fanden wir merkwürdige Zeichen an einem Baum. Lea hat eine Schriftrolle gefunden und wir sahen Tür, die in eine Höhle führte und plötzlich griffen uns die Orks an. Lea und ich mussten fliehen, ich habe sie unterwegs verloren, doch sie ist zum Glück gut im Lager angekommen. Ich habe mich irgendwie verlaufen und bin dann wieder zurückgegangen. Ich hoffte, dass die Protektoren heil aus der Sache raus gekommen sind. Grummli hielt sich sein Bein und Borek blutete ganz schrecklich. Es kam gerade Verstärkung, und er gab ihnen noch Anweisungen, obwohl er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Und dann habe ich ihn verbunden und überall war Blut und … Überwältigt von Erinnerungen bricht die Kenderin in Tränen aus. Schluchzend fährt sie fort.

Später sind wir zu der Tür zurückgekehrt. Sie war aus Stein und hatte ein Rätselschloss. Für solche Türen nutzen Helferlein leider gar nichts. Doch wir haben es aufgekriegt und wir waren ganz schön viele, falls wieder Orks kommen. Hinter der Tür war ein ganz enger Gang und Anna ist vorgegangen und Andrax ist hinterher und der Theogonist auch. Und dann noch zwei die ich nicht kannte. Und dann bin ich auch hinterher. Kurz flackert Abenteuerlust in Heppis Augen auf, nur um gleich darauf durch Wehmut ersetzt zu werden. Wir sind durch die dunklen Gänge gekrochen, ich habe Anna noch meine Kerze nach vorne gegeben, damit sie auch was sieht. Und dann hörte ich die von vorne was von leuchtenden Pilzen erzählen. Und die hab ich dann auch gesehen, es zweigte nämlich ein Gang nach links ab und dort wuchsen die Pilze. Und die anderen waren ja so langsam, da wär ich auf jeden Fall hinterher gekommen, Pilze pflücken dauert schließlich nicht lange. Das letzte was ich hörte war ein lautes Rumpeln und dann wurde alles schwarz.

Heppi wird blass, als sie an das was folgte zurück denkt. Mich hatte ein riesiger Stein überrollt. Ich wachte auf und die Schmerzen waren… grausam. Dann kam jemand und zog mich raus. Und es tat so weh, wie noch nie zuvor etwas weh getan hatte. Heppis Hände beginnen zu zittern. Sie schlägt sie vors Gesicht und nun zittert sie am ganzen Körper.

Doch nun erinnert sie sich an etwas anderes und ist mit einem Male sehr entspannt, ja sie lächelt sogar. Ich wachte auf in einem wunderschönen Wald. Die Blätter der Bäume waren golden und sie leuchteten kräftig. Der Himmel hatte die schönsten Farben, wie bei einem Sonnenuntergang. Es war wunderschön. Und ich schwebte! Es ist ein herrliches Gefühl! Ich schaute zum Boden und war sehr verwundert. Da lag ich. Mit schrecklichen Quetschwunden, aber das war nur mein Körper, er war nicht wichtig, versteht ihr das? Ich sah Leute um mich herumstehen und neben mir lag noch jemand. Und auf einmal hörte ich eine Stimme und sie kam von dem Mann. Er stand vor mir, und er war durchsichtig. Er fragte: „Bist du wirklich bereit diese Reise anzutreten.“ Aber ich wusste gar nicht was er meint. Doch so langsam wurde es mir klar. „Bin ich tot?“ fragte ich ihn. Er erklärte mir, dass wir in der Zwischenwelt sind, zwischen Leben und Tod und dass es meine Entscheidung wäre zu gehen oder zurück zu kommen. Auf einmal spürte ich eine wohlige Wärme. Ich drehte mich zu ihr um und sah ein wundervolles Licht. So etwas Schönes hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich schwebte darauf zu und hörte hinter mir die leise Stimme des Mannes. Er fragte mich wie ich heiße. Ich war etwas verwirrt, warum er das von mir wissen wollte. Doch ich kehrte zu ihm zurück und sagte: „Ich bin Heppi Beutelchen.“ Daraufhin wollte er nochmals wissen: „Willst du wirklich gehen?“ Natürlich wollte ich gehen, doch auf einmal fiel mir Lea ein. Ich konnte sie doch nicht alleine lassen.

„Lea…“ „Wer ist Lea“, fragte er. „Sie ist meine beste Freundin. Ich kann sie nicht zurücklassen. Sie würde ganz allein sein und hätte niemanden, der sich um sie kümmert und … und ich darf nicht gehen. Rufus hat mir doch die Zukunft voraus gesagt, er hat gesagt ich werde heute nicht sterben und mit den Pilzen hatte er auch Recht gehabt. Ich habe einen am Wasser gefunden, und ich wusste genau er schmeckt entweder sehr, sehr lecker oder er ist sehr, sehr giftig und da war ich misstrauisch und habe ihn stehen lassen.“ Der Mann hielt mir seine Hand hin und ich hielt sie fest, denn ich begann wieder auf das Licht zuzuschweben. „Komm zurück“, sagte er. Und ich erinnerte mich an Lea und Durak und all meine anderen Freunde. „Wie kann ich zurückkommen?“ fragte ich. Ich wollte die anderen nicht im Stich lassen. Er sagte, ich soll ihn beobachten, wie er zu seinem Körper zurückkehrt, doch dafür musste ich ihn loslassen. Sofort wurde ich nach hinten gezogen. Und ich konnte nicht erkennen, was er tat. Ich griff wieder nach ihm und fragte, wie ich zurückkommen kann. „Kehre in deinen Körper zurück“, sagte er. Doch das konnte ich nicht. Das wollte ich nicht. Diese leere Hülle dort unten, dort wollte ich nicht hin. Ich glaube er hat das gemerkt.

„Möchtest du Lea noch etwas sagen?“ fragte er mich. „Ja. Erzähle ihr, dass ich sie ganz dolle lieb hab und sie meine beste Freundin ist und sie nicht traurig sein soll, dass ich weg bin. Und dem Durak musst du das auch erzählen, dass er mein bester Freund ist und er auch nicht traurig sein soll. Und meinen Eltern musst du Bescheid sagen, die sind bestimmt ganz schön traurig, aber bring ihnen meine Sachen, dann freuen sie sich. Aber wenn ihr mich begrabt, müsst ihr mir unbedingt ein paar neue Beutel mitgeben, für die Sachen die ich auf meinem letzten großen Abenteuer erlebe und ich brauche Papier und eine Feder, damit ich Karten zeichnen kann.“ Ich überlegte, ob ich noch etwas brauchte, da fragte mich der Mann: „Wie möchtest du bestattet werden?“ Ich überlegte kurz und dann war es mir sofort klar: „Am liebsten eine riesige Zeremonie, wo alle dabei sind. Und meinen Körper bringt ihr dann nach Hause, dann könnt ihr mich im Wäldchen, bei dem kleinen Bächlein begraben. Da hab ich’s dann schön gemütlich.“ Er versprach mir, meinen Wunsch zu erfüllen. Ich warf einen letzten Blick zurück auf meinen Körper. Er hatte gar keine Wunden mehr und über ihm kniete Rufus und weinte. Ich schaute dem Mann vor mir tief in die Augen. „Danke“, sagte ich – und ließ ihn los… Heppis Gesichtsausdruck ist verträumt. Einige Momente ist sie in der Erinnerung gefangen. Doch plötzlich zuckt sie zusammen und ihr Gesicht verzerrt sich. Mechanisch fährt sie fort.

Ich spürte einen Ruck, der mich fast zerriss. Es war ein schreckliches Gefühl. Und dann war ich zurück. Ich spürte, dass mich jemand in den Armen hielt und ich wusste, dass es Rufus war. Er murmelte, dass es seine Schuld sei und er entschuldigte sich bei mir, weil er nicht sein Leben für mich aufgeben könne. Ich wusste nicht, wovon er spricht. Ich wusste überhaupt nicht, was los war. Ich sah die Bäume über mir, sie waren schwarz, denn die Dämmerung war angebrochen. Die ganze Welt erschien grau. Rufus hatte gemerkt, dass ich wach war. „Was… was ist passiert?“ fragte ich ihn. Und er drückte mich an sich. „Du bist wieder hier“, sagte er und ich konnte seine Tränen auf meinem Gesicht fühlen. Er war erleichtert und bedrückt zugleich. „Ich will nicht hier sein, ich will zurück. Ich kann hier nicht sein…“ Heppis ganzer Körper zittert bei dieser Erinnerung. „Ssht, wo etwas darfst du nicht sagen. Jemand hat sich geopfert, damit du leben kannst. Wirf dieses Geschenk nicht davon, er wäre dann umsonst gestorben.“ Ich… ich fragte ihn, wer er ist, doch Rufus wusste es nicht. Und dann war Lea da und sie sagte mir, dass es Wolf ist. Heppi bricht in herzzerreißendes Schluchzen aus. Ich habe ihn nur einige Tage gekannt. Doch ich habe ihn sehr gemocht. Ich habe ihn immer geneckt, aber er ist nie böse geworden.

Ich weiß nicht mehr, wie ich zurück zum Lager kam. Ich weiß noch, dass es eiskalt war. Wir bahrten Wolf am Feuer auf. Felyndira setzte sich zu mir. Sie ist eine Halbdrow, ich lernte sie im Reich des Dworken kennen. Sie ist sehr nett. Zuerst weinten wir, doch dann musste ich wissen, wie Wolf gestorben war. Ich sah tiefe Bewunderung in Felyndiras Augen. Sie sprach leise aber deutlich. „Er hat seinen Gott Zei angerufen. Er sprach mit Zei und dieser stellte ihn vor eine Entscheidung. Er könnte dein Leben retten, wenn er sein eigenes dagegen eintauscht. Wolfram war geschockt, doch nach kurzem Zögern, hatte er seine Wahl gefällt. Und so rettete er dein Leben. Indem er starb.“ Heppi vergräbt ihr Gesicht in ihren Händen und Tränen quellen hervor. Es entsteht eine lange Pause.

Wolf ist für mich gestorben. Fely legte ihren Arm um mich und erzählte weiter. Sie selbst hatte schon mal etwas Ähnliches wie ich erlebt. Auch sie wäre fast gestorben. Ich fragte sie, wie sie es schaffte weiterzuleben… Sie hatte nach einem Sinn gesucht. Bei ihr war das die Kirche des Lichts, zu der sie gefunden hatte. Doch bei mir? Ich schaute Wolf an. Er lag vor mir, die Arme über seinem Schwert verschränkt. Das Schwert glänzte im Mondschein und da sah ich, dass etwas aus seiner Hand hervorschaute. Ich zog vorsichtig daran, seine Hände waren kalt und steif. Und trotzdem konnte ich das, was er hielt, ohne Probleme hervorziehen. Er gab es mir, denn eigentlich hätten seine starren Hände den Anhänger festhalten müssen. Ich schaute mir den Anhänger genau an. Er ist aus rotem Stein gemacht, ganz glatt geschliffen, ein Dreieck und er ist warm. Immer. Heppi öffnet ihre Hand und der Anhänger kommt zum Vorschein. Ihr Gesicht ist friedlich, als sie ihn betrachtet.

Ich fragte Fely nach Zei, denn das ist der Gott, von dem Wolf der Novize war. Sie wusste nicht viel, doch sie sagte mir, Zei ist der Gott der Sonne, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Ich musste an Rufus denken. Er hatte mir bei der Frage nach meinem Ring mit der Sonne geantwortet. Und da wusste ich, das ist mein Weg. Heppis Stimme ist mit einem Mal sehr entschlossen. Ich werde selbst ein Zei Novize, ich werde alles über ihn lernen, damit ich ihm dienen kann. Denn durch Wolfs Opfer hat er mich wieder auferstehen lassen. Und dieses Opfer darf nicht umsonst gewesen sein.

Auch der Theogonist setzte sich noch zu uns und weinte mit uns um Wolf. Ich erfuhr später, dass auch er mich versucht hatte, zu retten, doch er hatte nicht die Kraft dazu gehabt. Jemand kam zu ihm, und sie redeten darüber, Wolf heilig zu sprechen, doch sie wollten das Gespräch alleine beenden.

Wir brachten Wolf in den Kühlraum der Taverne. Und dort hielt ich Totenwache. Die ganze Nacht lang. Selbst als draußen die Schlacht tobte, mich interessierte nicht, was dort vor sich ging. Ich hatte Fely gefragt, wie man betet, und so kniete ich vor Wolfs Körper und betete zu Zei. Fely hat gesagt, dass ein Gott, an den man ganz fest glaubt, einem auch zuhört, er aber nur ganz, ganz selten Zeit hat, zu antworten. Aber irgendwie war das ein beruhigendes Gefühl zu beten.

Am nächsten Tag wurde Wolf dem Feuer übergeben. Jemand sollte die Asche in seine Heimat bringen und ich habe mich sofort gemeldet. Ich werde die Urne nach Wenzingen bringen. Dort werde ich sie der Kirche übergeben, damit er in Frieden ruhen kann. Und dort werde ich auch über Zei lernen. Denn ich bin jetzt ein Novize Zeis.

Wolf wurde nicht zum Heiligen gesprochen, doch für mich wird er für immer „der heilige Wolf – Beschützer der Kender“ bleiben.

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  Zuletzt geändert am 29 Juni 2005 14:17 Uhr  
   
   
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