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Das Leben der Heppi B.
Die versunkene Stadt

Fely und ich sind zusammen aufgebrochen. Wir sind viele Wochen gereist. Ich kann mich kaum daran erinnern, aber es war immer kalt und dunkel. Ich habe zu Zei gebetet. Doch Zei hasst mich. Ich bin Schuld daran, dass Wolf tot ist. Deswegen hasst er mich. Ich bete nicht mehr zu ihm. Ich muss oft an Wolf denken. - Heppi öffnet ihre Hand und betrachtet schweigend den Anhänger, der sich dort befindet. Sie wirkt sehr nachdenklich und wehmütig -

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange wir unterwegs waren, es waren viele Wochen. Dann habe ich Fely verloren. Es war in einer großen Stadt. Ich hab über eine Woche auf sie gewartet und sie gesucht, doch sie ist verschwunden. Ich glaube, dass sie weitergereist ist, weil sie mich nicht wiedergefunden hat. Es hat keinen Sinn gemacht, ihr zu folgen. Ich weiß nicht warum, aber ich bin trotzdem weiter gereist. Dann habe ich mich verlaufen. Ich war viele Tage allein in der Wildnis. Aber das war egal. Ich hatte Hunger und konnte kaum noch laufen, ich habe gefroren. Es hat mir nichts ausgemacht. Ich glaube ich wäre jetzt tot, wenn mich Antarion nicht mitgenommen hätte. - Es ist erschreckend wie trocken und mit welcher Gleichgültigkeit Heppi diese Worte von den Lippen kommen. Man könnte meinen, sie hängt nicht mehr an ihrem Leben -

Ich habe Antarion zuerst gar nicht bemerkt. Er lief auf einmal neben mir und hat mich gefragt, wer ich bin. Ich hatte eigentlich keine Lust, mit ihm zu reden, aber ich hab ihm trotzdem gesagt, dass ich Heppi heiße. Er hat mir viele Fragen gestellt, ob ich eine Kenderin bin, warum ich so alleine bin, warum ich traurig bin, und vieles mehr. Ich habe ihm geantwortet. Er hat gefragt, ob ich mit ihm kommen möchte. Es war mir egal. Da hat er einfach gesagt, dass er in einem Lager in der Nähe erwartet wird und das ich mitkommen soll. Hab ich dann auch gemacht. Damals hab ich zuerst gar nicht gesehen, dass da ganz viele Hütten und Zelte waren. Mich hat das nicht interessiert. Antarion sprach mit jemandem, ich hab den gar nicht angeguckt. Später habe ich bemerkt, dass das ein Sternendeuter war, der irgendwas aus der Stellung der Sterne erkennen kann. Ist mir aber egal.

Antarion hat mich zur Taverne mitgenommen. Es waren wohl irgendwo zwei Plätze frei, jedenfalls saßen wir schließlich an einem Tisch. Ich wusste gar nicht, wer alles so da war. Da sprach mich auf einmal Keli an. Sie saß neben mir. Keli ist auch eine Kenderin. - Heppi lächelt, als sie an ihre Freundin zurück denkt - Keli hat gesagt ich soll ihr erzählen, warum ich so traurig bin und das habe ich dann gemacht. Sie war auch gleich sehr traurig und hat mir ein Bonbon gegeben. Keli ist nett. Antarion hat sich mit einem der Leute am Tisch gestritten, wegen seinem Gott. Antarion glaubt nämlich an Rondus. Wir sind dann gegangen.

Antarion hat gesagt, er weiß wie er mir helfen kann. Er hat gefragt, ob wir zusammen zu Rondus beten wollen. Ich habe ihm gesagt, dass die Götter böse auf mich sind und ich deswegen nicht bete. Antarion hat mich gefragt, wie ich darauf komme und ich habe ihm von Zei erzählt. Antarion hat mir versprochen, dass Rondus nicht böse auf mich ist und so haben wir zusammen gebetet. Antarion hatte Recht, Rondus war nicht böse auf mich. Er ist ein netterer Gott als Zei.

Wir haben uns zu ein paar Hoipollois gesetzt. Ich war sehr traurig, weil ich die ganze Zeit an Wolf denken musste. Einer der Hoipollois war ein junger Troll. Er hieß Krutzmutz. Er hat gefragt, was mit mir ist. Ich habe es ihm erzählt. Er hat gesagt, dass ich dumm bin, weil ich traurig bin, dass ich lebe und Wolf tot ist. Er hat gesagt, Wolf hat sich für mich geopfert, damit ich glücklich sein kann. Und er hat gesagt, dass Wolf sich bestimmt traurig ist, weil ich traurig bin. Dann hat er gesagt, dass es wahrscheinlich besser gewesen wäre, wenn Wolf noch leben würde und ich dafür gestorben wäre. Krutzmutz hat Recht.

Antarion hat gesagt, ich soll erstmal bei ihm bleiben. Antarion wollte mal in das andere Lager schauen, mir war es gleich. Ich bin mitgegangen. Dort war es vollkommen uninteressant. Auf dem Rückweg haben wir geflügelte Wesen gesehen. Mir war das egal, aber Antarion war sehr wütend, er sagte das waren Dämonen und wenn er jemals mit denen mitgehen sollte, müsste ich was dagegen tun. Ich habs dann Antarion versprochen, ich wollte nicht, dass ihm etwas passiert.

Im anderen Lager angekommen, hörten wir Schreie. Antarion ist sofort hingerannt, und ich bin hinterher, weil ich versprochen hatte, bei ihm zu bleiben. Da war ein Feuerwesen. Das hat sich auf Antarion gestürzt. Es war schrecklich. Es stank nach verbranntem Fleisch und er lag regungslos auf dem Boden und brannte. Das Wesen hatte mich nicht gesehen und hat andere angegriffen. Ich habe ganz schnell meinen Umhang ausgezogen und die Flammen erstickt. Dann habe ich geguckt, ob er noch lebt. Das habe ich von Lea gelernt. Ich rüttelte an ihm und er kam wieder zu sich. Er sagte, ich soll weglaufen. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und lief dann weg. Ich holte meinen Wasserschlauch aus dem Zelt. Dort wurde gekämpft, doch mich haben sie nicht gesehen und so bin ich zum Zelt und zurück, ohne dass mir was passiert ist. Ich habe Antarion geholfen die Rüstung auszuziehen, die Wunden gekühlt und ihn dann zur Taverne gebracht. Dort gab es zum Glück Heiler, die ihm geholfen haben. Dann hab ich ihn zum Zelt gebracht und aufgepasst, dass es ihm nicht schlechter geht.

Und dann wurde ich wieder traurig. Ich musste an Wolf denken, dass ich Schuld an seinem Tod bin und dass ich auch fast noch Schuld an Antarions Tod gewesen wäre. Dann bin ich eingeschlafen.

Am nächsten Morgen hat mich Antarion gefragt, ob ich Frühstück machen kann. Ich habe ja gesagt und ein paar Eierküchlein gebacken. Weiß gar nicht, warum Antarion sich so darüber gefreut hat.

Nicht weit weg war eine Burgruine. Antarion hat mich gefragt, ob wir dahin schauen wollen. Es war mir egal. Er hat mich mitgenommen. Da waren grad welche, die einen Brunnen anschauten. Einer wollte da runter. Ich hab mich ins Gras gesetzt und an Wolf gedacht. Jemand hat mich gefragt, warum ich traurig bin. Ich hab ihm erzählt, dass ich an Wolfs Tod Schuld bin. Er hat zu mir gesagt, dass ich zu ihm kommen kann, wenn ich darüber reden will. Ich will nicht. Ich habe die Rüstung des Mannes erst ein paar Tage später gesehen. Sie war schön. - Kurz blitzt es in Heppis Augen auf, als sie an diese wunderschöne glitzernde Rüstung denkt, doch sofort verdunkeln sich ihre Augen wieder -

Antarion hat geholfen, das Seil festzuhalten, damit jemand in den Brunnen klettern kann. Da habe ich zum ersten Mal dieses Flammenzeichen auf seiner Rüstung gesehen. Das hat mich an etwas erinnert. Ich habe ein Büchlein hervorgeholt. Ich hatte es gefunden, als ich mit Fely unterwegs war. Ich weiß gar nicht, warum ich es damals eingesteckt hatte. Aber ich weiß noch, dass damals eine Seite aufgeklappt war, auf der dieses Flammensymbol von Antarion war.

Ich hab Antarion das Buch gegeben. Er fragte mich, warum ich es ihm gebe. Ich hab ihm gesagt, dass er es verloren hat und er Glück hat, dass ich es für ihn gefunden habe. Doch es war nicht sein Buch. Antarion hat mich gefragt, ob ich lesen kann. Ich habe nein gesagt. Antarion hat gesagt, wenn ich möchte, kann er mir aus dem Buch vorlesen. Ich habe gesagt ‘von mir aus’.

Antarion und ich haben uns auf eine kleine Ruinenmauer gesetzt und er hat mir das Buch vorgelesen. Es gehörte einem Rondusgläubigen Mädchen. Sie hieß Jasmina. Sie war von Cassandra beim Stehlen erwischt worden. Doch Cassandra war ganz nett zu Jasmina gewesen und so wurde Jasmina Cassandras Novizin. Sie sind zusammen gereist, haben dann Krieger von Rondus getroffen. Dann wurden alle verfolgt. Viele wurden getötet. Jasmina sollte mit dem Rucksack fliehen, weil dort ein wichtiges Artefakt drin war. Sie hat mir eine verschlüsselte Botschaft in das Buch geschrieben, damit ich es finde und zu einem Rondustempel bringe. Ich werde nach dem Artefakt suchen, weil ich eine Wette gegen Antarion verloren habe. Ich muss aber erstmal jemanden finden, der mir den Text übersetzt.

Ein paar Waldwesen haben uns besucht. Sie waren sehr nett. Sie fragten, warum ich nicht lache, doch ich wollte nicht. Ihre Schwester war im Herz des Waldes, was ganz böse war, gefangen. Sie haben uns gefragt, ob wir ihnen helfen, sie zu befreien. Ich konnte nichts für sie tun.

Wir gingen dann in die Ruine und auf einmal waren wir in einem Teehaus, wo man einen Basar draußen sehen konnte. Da war es sehr friedlich und mir ging es das erste Mal seit vielen Wochen besser. Sie hatten sehr leckere Früchte dort. Wir sind leider viel zu früh wieder gegangen.

In der Zwischenzeit war eine Gnomenwohnung entdeckt worden. Sie hatten sie schon mit 20 Mann untersucht. Antarion hat gesagt, wir schauen uns das auch mal an. Wir haben meine Laterne geholt und sind dahin gegangen. Ich habe ein bisschen umhergeleuchtet und eine Tür gefunden. Die 20 Mann hatten sie nicht gesehen. Antarion hat mich ganz doll gelobt, doch das war mir egal. Später sind wir mit ganz vielen Hoipollois hoch gegangen. Ich habe geholfen, das Schloss zu entsichern und zu öffnen. Dahinter waren viele Räume. Ich half, eine Kiste zu öffnen. Später fehlte eine Perlenkette aus dieser Kiste. Alle sind durchsucht worden, nur ich nicht.

Dort war auch noch eine Geheimtür mit einem Teleporterkreis. Man musste ‘Nia Sin Isi Mar’ sagen, dann wurde man zu bösen Insektenwesen transportiert und ist fast gestorben. Mein Bonbon und mein Kohlestift sind jetzt bei den Insektenwesen.

Später waren Antarion, Keli, ich und ein paar andere bei einem Steinkreis im Wald. Da waren Waldwichtel. Die waren mir gleichgültig. Keli wurde auf einmal von ganz vielen Insekten gestochen. Ich habe Wasser auf meine Bandagen getan und sie verbunden. Dann ging es ihr wieder besser.

Am nächsten Tag haben wir bei dem Hauptmann des Strafbattaillons gefrühstückt. Er hatte auch einen Weibel und eine alte Frau war auch dabei. Die drei waren sehr nett. Als der Hauptmann erfahren hat, dass ich eine Kenderin bin, war er sehr verwundert.

Plötzlich wurden wir angegriffen. Ich bin weggelaufen, die anderen haben gekämpft. Ich sah, wie Antarion hinfiel, doch ich konnte nichts machen. Als der Kampf vorbei war, kam ich zurück zu der Stelle, doch er war weg. Ich fragte jemand, wo er ist und er zeigte auf zwei Hütten: dort oder dort. Ich ging in die erste und da war eine böse Elfe, die mich beschuldigte, ihre Heilersachen geklaut zu haben. Ich bin gegangen. Ich mag sie nicht. So ist das nunmal, es gibt böse Orks, es gibt böse Elfen. In der anderen Hütte war Antarion. Jemand hatte ihn schon verbunden. Er ist ein sehr unvorsichtiger Kämpfer. Der Hauptmann aber auch.

Antarion hat mir versucht lesen beizubringen. Da er aber in sowas noch schlecher als im Kämpfen ist, wie er gesagt hat, hat es nichts gebracht. Ich habe SoBli kennen gelernt. Er ist ein Seher, also sowas wie jemand der Runen legt. Er hat gesagt, wir sterben alle am nächsten Tag. Ich habe mit Antarion gewettet, dass wir alle sterben. Mein Einsatz war, dass ich nach dem Artefakt aus dem Buch suche.

Am nächsten Morgen lernte ich eine Fee kennen. Sie erzählte, dass sie durch Religion vertrieben werden und dass die Menschen sie vergessen – dies sei die Veränderung. Ich hatte gerade an Wolf gedacht, doch beim Wort Veränderung bin ich hellwach geworden. Ich hab gefragt, wie man die Veränderung aufhalten kann und sie hat gesagt, indem man jedem von Feen erzählt. Ich werde Thorrolf einen Brief schreiben, wo das drin steht.

Später war Kampflärm. Ein Steingolem war im Burgtor aufgetaucht. Viele kämpften gegen ihn. Keli schlich sich vorbei. Ich musste grinsen, weil sie es geschafft hatte. Ich wollte hinterher, doch ich kam nicht vorbei, weil sie alle kämpften. Schließlich brach der Golem zusammen.

Ich bin in den Burghof gelaufen, um Keli zu suchen. Ich fand ihren Hupak, ihr musste was passiert sein. Ich habe alle gefragt, wo sie ist. Sie wurde von bösen Wüstenkriegern in die Ruine geschleppt. Inzwischen waren die Krieger besiegt und ich bin in die Ruine gelaufen. Keli lag an einem Altar, aus dem eine Flamme kam. Sie atmete nur noch ganz schwach. Jemand sagte, ihre Seele sei in den Altar gezogen worden und dass sie tot ist und höchstens als Untote zurück kommt. Ich hab ihm nicht geglaubt. Kelis Körper wurde geheilt und wir brachten sie in die Taverne.

Shisha, eine Elfin, und ich waren sehr traurig. Aber ich wusste ja, dass die Seele über dem Körper schwebt und so malten wir Bilder für Keli, damit sie zurück findet. Erstmal eine Hand, an der sie sich festhält, drumherum all ihre Freunde, ein paar Geschenke, die sie bekommt, wenn sie wieder kommt. Ein Smaragd, ein Glöckchen, Apfelkuchen. Und wir haben gemalt, dass sie sich in den Körper sinken lassen muss. Dann ist uns klar geworden, dass die Seele noch beim Alter ist. Dann haben wir ganz schnell die Bilder dahin gebracht. Auf dem Rückweg sind von überall schwarze Gestalten aufgetaucht. Doch Kelis Seele hat auf uns aufgepasst und wir sind sicher zur Taverne gekommen.

Kelis Körper wurde später zum Altar gebracht und sie ist wieder aufgewacht. Unsere Bilder haben sie gerettet! Sie war sehr verwirrt und sie hat gesagt, dass da ganz viele tote, gefangene Seelen gewesen waren und dass sie dort nie wieder hin will. Ich hab ihr gesagt, dass Sterben normalerweise was schönes ist und dass man ins Paradies kommt.

Keli ging es bald wieder besser, mir aber auch, weil ich so froh war, dass sie wieder lebendig war. Wir haben zusammen mit Shisha 7 gespielt. Das war lustig und ich habe seit langem wieder gelacht. Doch ich bin traurig, dass ich lache, wo Wolf doch tot ist. Ich möchte nicht mehr lachen.

Unsere Kämpfer haben eine letzte Schlacht geschlagen. Sie haben die toten Seelen zurückgeschickt. Die Stadt, die aufgetaucht wäre und alles vernichtet hätte, bleibt versunken.

Da ich die Wette verloren habe, werde ich nach dem Artefakt suchen.

(Fortsetzung folgt)

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  Zuletzt geändert am 29 Juni 2005 14:17 Uhr  
   
   
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